Es geht immer um die Verhältnismäßigkeit. Natürlich geht hier noch alles und im Vergleich zu vielen anderen Menschen (in Deutschland) oder an den Grenzen in Griechenland ist das, was gleich kommt, Jammern auf hohem Niveau. Aber schön der Reihe nach.

Heute morgen kurz vor 8 in Blankenese

7:00, Wecker klingelt. Kurz die neusten Meldungen checken. Was mich erschrickt: Ich werfe erst einen Blick auf das Handy, dann auf meine schlafende Tochter und meinen schlafenden Mann. Das macht mich traurig und morgen werde ich das sofort andersrum machen. Laufschuhe an und los. Die kleine 5 km Runde am Morgen ist die einzige Zeit des Tages, in der ich ALLEINE bin. Und ich bin gern allein…

Als ich gegen 8:15 nach Hause komme, liegen alle noch gemütlich in ihren Betten. Es fühlt sich fast wie Wochenende an. Erstmal duschen, Käffchen, Brötchen. Eigentlich herrlich. Heute bin ich Vormittags mit Arbeiten dran, um 11:00 steht die erste Telko an. Vorher müssen aber noch die Mathe- und Englisch-Aufgaben des Gymnasiasten ausgedruckt und verteilt werden. Homeschooling sucks. Ganz ehrlich: Ich finde es für arbeitende Eltern eine Riesenbelastung, sich neben Homeoffice und dem ganzen bekannten Rattenschwanz auch noch um die Schulweiterführung der Kids zu kümmern. Ich plädiere für 2 Wochen weitere „Ferien“, es gibt genug Übungen und Apps im Netz für die Kinder, die es nicht erwarten können, weiter zu lernen. Aber hey, die ganze Situation ist für alle Altersstufen so neu, da müssen sich soziale Strukturen doch erstmal etablieren. Die Flut an Aufgaben setzt nicht nur die Eltern unter Druck: Auch die Schüler wissen mitunter gar nicht, was ist genug, was wird benotet, wie ausführlich muss ich jetzt eigentlich den Charakter beschreiben? Und wer „ kontrolliert“ die Ergebnisse? Wir Eltern. Und wann machen wir das? Wenn wir nicht arbeiten. Und wenn wir nicht nach den anderen Kindern im Haushalt schauen. Und wann arbeiten wir? Richtig, wie die Sache mit dem Huhn und dem Ei. Ich habe immer schon fasziniert Berichte über Familien gelesen, die Homeschooling – eher verbreitet in den USA – machen. Aber das ist dann auch die Hauptaufgabe der Mutter. Die muss nicht noch nebenbei ihren Job stemmen. Ok, ich merke gerade, dass ich zum Thema Schule einen eigenen Blogpost schreiben muss.

Also ich dann im Homeoffice bis etwa 16:00 Uhr. Lief gut heute. Pressemitteilungen verschickt, Absprachen mit Marketingmanagern getroffen, trello-Listen gefüllt.

Das war der Moment, als ich ein Homeoffice Selfie machen wollte und in dem Moment gemerkt habe, dass mein Mann mir von der Terrasse aus zusieht! LOVE!

Im Anschluss: Gartenarbeit. Netter Plausch mit der Nachbarin über den Zaun. Bei uns im Garten: Etwa sieben Kinder! Wir Eltern haben da so entschieden. Die Kinder haben alle keinen weiteren Kontakt zu anderen Kindern und ausser eben diesen Nachbarn von oben und von Nebenan dürfen auch keine weiteren Kinder in den Garten. In unsere Wohnung dürfen auch nicht mal diese Kinder. It‘s Corona Time…

Irgendwann gibt es Streit darüber, wer jetzt wessen bester Freund ist und ich entscheide: Alle raus aus unserem Garten, meine Kinder gucken jetzt Bobo Siebenschläfer. Das gibt mir Zeit für Milchreis und Küche aufräumen. Putzen habe ich heute nicht mehr geschafft. Mein Mann ist übrigens den Nachmittag arbeiten und danach einkaufen. Druckerpapier ist aus – soll ich das Schulaufgabenthema von oben nochmal aufgreifen und einen Zusammenhang herstellen? Ok, heute nicht mehr.

Nach dem Essen überkommt es mich aus heiterem Himmel: Auf einmal bekomme ich Panik. Sehe die Gesamtsituation wie von oben, fühle mich mit allen kleinen Puzzlesteinen in unserem familiären Ökosystem überfordert. Will weinen, aber nicht vor den Kindern. Lese also mit dickem Kloß im Hals die Häschenschule vor und drücke die drei heute besonders doll. Die Süssen! Der Mann kommt von Rewe, einige Sachen sind alle, aber egal. Die Dämme brechen… Aber dann kommt Angela! Die Ansprache der Bundeskanzlerin lenkt mich ab, baut mich auf? Whatever – morgen wird wieder anders als heute, ich lasse mich überraschen, wie alles wird und nehme mir vor: ES GEHT NUR DAS, WAS GEHT. Perfektionismus off!

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