Vorsichtig öffne ich die schwere Holztür, da laufen sie mir auch schon entgegen: „Mamama, ein Eis essen gehen!“ Schnell noch die Kita-Klamotten eingepackt und mit den beiden Mäusen ab zum Eisladen um die Ecke. Die anderen Kinder und Mamas sind schon da, wie immer ein großes Gewusel und Hallo – CUT! Danke, das war´s.

Die „neue Normalität“ sieht leider anders aus. Kein Eis, keine Freunde, keine Muddis, keine Kita. Nix. Keine Trennung von Arbeit und Familie. Alles verschwimmt zu einem Einheitsbrei: Schnell noch mal ne Mail, „Schatz, arbeitest Du jetzt erst, oder ich?“ Ach so, doch erstmal mit dem Sohn das Koordinatensystem zeichnen. 

Ich will hier nicht lamentieren, das haben viele Eltern schon an anderer Stelle getan. Ich selber auch. Zu Recht! Wir kommen schon irgendwie klar, die Aufträge sind da, die Kunden zahlen. Happy Time? Weit gefehlt. Was macht das alles mit unseren Kindern? Ich kann Arbeit und Familie nicht mehr so trennen, wie ich es bisher getan habe. Ein Tag in der „alten Normalität“ sah in etwa so aus:

Die beiden Kleinen in die Kita bringen, dann an den Schreibtisch im Homeoffice, gegen 13 Uhr kommt der Große aus der Schule. Kurz schnacken, was Essen, dann weiter arbeiten bis 15 Uhr. (Kurzer Einschub: ich kann mich nicht konzentrieren, die Zweijährige brüllt. Eigentlich habe ICH jetzt Arbeitszeit. Gehe ich hin? Was ist da los? Was macht der Vater? Egal, ich ignoriere es! Er wird sich schon kümmern!)

In der Regel mache ich dann Nachmittags was mit den Kindern oder arbeite an zwei Nachmittagen – je nach Bedarf. Aber wie soll diese sehr gut funktionierende Aufteilung gehen, wenn beide Eltern berufstätig zu Hause sind UND auch alle drei Kinder da sind? Homeoffice bedeutet NICHT, dass man easy neben der Arbeit die Kinder betreuen kann. NEVER und ich krieg einen Riesenhals, wenn Menschen sich über die momentane Situation der Eltern im Homeoffice lustig machen. Vonwegen das bisschen Arbeit… Ihr liegt doch nur im Garten rum…

Oder noch besser: Die Menschen, die sagen: Ach, genieß doch diese Zeit, wieso hast Du denn Kinder, wenn Du sie nur abschieben willst? Ist doch schön, mal so eine intensive Familienzeit. Sowas sagen nur Menschen, in deren Familie mindestens eine Person (meistens die Mutter) gerade NICHT arbeiten MUSS. 

Ich genieße jede Minute mit meinen Kindern. In einer Zeit, in der jedes Familienmitglied auch seinen eigenen Interessen nachgeht: Schule, Arbeit, Krippe, Kita, Fussball, Turnen, Boxen, Schwimmen, Spielplatz. Was macht es mit mir, wenn A) alle der genannten Faktoren wegfallen und B) stattdessen alle Familienmitglieder 24/7 aufeinander hocken? Es macht mich traurig, aggressiv, ungehalten, ungeduldig. So will ich nicht sein. Ich will wieder fröhlich sein, mich auf Dinge freuen, konzentriert arbeiten, um anschließend „Life“ genießen zu können.

Was ist die Lösung? Baumärkte, Autohäuser und Klammottenläden öffnen. Ach nee, doch nicht. Wie wäre es mit Corona-Elterngeld, liebe Politiker? Dann können wir wenigstens mit etwas weniger (finanziellen) Sorgen etwas mehr Liebe und Gelassenheit unseren Kindern entgegen bringen. Wie wäre es mit kreativen Kita-Konzepten, wie zumindest tageweise Öffnung für Kleingruppen? Wie wäre es mit Öffnung von Spielplätzen? Wir kriegen das schon hin mit dem Abstand und der Hygiene.

#stayhome my Ass – ich mag nicht mehr!

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4 Antworten auf „Meine Work-Life-Balance ist tot

  1. Corona Elterngeld halte ich für sinnvoll, die Öffnung der Kindergärten undSchulen leider nicht, weil es mit den Abstandsregeln vermutlich nicht funktionieren kann

  2. Liebe Jenny, so richtig! Ich mag mich selbst auch gerade nicht mehr. Wir haben keine existenziellen Sorgen, genug Platz für alle und einen Garten. 24/7 heißt aber auch und oft gerade als Mutter 24/7 erster Ansprechpartner für wirklich alles. Da hilft nur die Flucht, morgens alleine Joggen, inzwischen gehe ich viel öfter die Runde, dann habe ich länger was davon…. Stay at home? Ja, freiwillig bitte jeder gerne. Ich hätte lieber Abstand halten und Hände waschen, ist unpopulär- ich weiß. Aber wollen wir uns jetzt bei jedem neuen Virus von unserer Angst leiten lassen? Ich möchte das nicht für mich und auch nicht für unsere Kinder.

  3. Ich muss sagen, dass ich persönlich NICHT das „Problem“ (Sorry, weiß nicht, wie ich es anders ausdrücken soll, ich will damit natürlich nicht sagen, dass Kinder eine Last sind) habe, Kinder mit meiner Homeoffice-Tätigkeit unter einen Hut bringen zu müssen. Dennoch finde ich es schon schwer genug über diesen langen Zeitraum die Motivation des Alltags zu behalten. Im 1-Zimmer-Appartement heißt es aufstehen, 5 Schritte zum Schreibtisch gehen und dann 8 Stunden arbeiten, wieder 5 Schritte zur Couch, dann wieder 2 Schritte ins Bett, am nächsten Tag von vorne.
    Ich kann mir kaum vorstellen, wie schwer das noch mit Kindern ist, sich die Motivation zu ALLEM so hoch zu behalten.

    Ich habe mir von einigen berufstätigen Eltern sagen lassen, dass sie sich stundenweise in ein Hotel einmieten, um dort zu arbeiten. Was hältst du davon?

    1. Das finde ich eine großartige Idee – hatte ich hier in Hamburg auch schon von gelesen. Mittlerweile geht mein Mann wieder in die Firma zum Arbeiten. Und obwohl die Kids wieder regulär in Schule und Kita gehen, gönne ich mir seit August einen kleinen Büroraum in der Nähe. Das entlastet mich ungemein. Ich kann Arbeit und Familie/Freizeit nun viel besser trennen. Sie lebt also wieder, meine Work-Life-Balance 🙂

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