Die Zeiträuberin

Ich glaube nicht, dass sie es mit Absicht macht, aber wirklich sicher bin ich mir auch nicht.

Dass ein Baby Zeit in Anspruch nimmt, braucht mir niemand zu erzählen – ich hatte bereits zwei Jungs, als Madame K. vor knapp zehn Monaten auf die Welt kam. Schlafen war bei den Herren ab dem sechsten Monat irgendwie kein Thema mehr: Schlafsack an, hinlegen, kuscheln, einschlafen, rübertragen ins eigene Bett, durchschlafen. So lief es zumindest in meiner verwaschenen Erinnerung. Nicht so bei K.

Die Kleine ist zuckersüß und raubt uns die letzte, kostbare Zeit, die wir haben. Schlafen? Nö. Tagsüber maximal zweimal 30 Minuten, ganz selten dann doch mal über eine Stunde. Und das am liebsten im Kinderwagen, also nix zuhause erledigen, sondern schieben, schieben, schieben. Immerhin: Manchmal verbinde ich die Schieberei mit etwas Nützlichem wie Joggen.

Wenn der Abend näher rückt, beginnen meine Gedanken zu kreisen: wir wird es heute? Schafft sie heute mal länger als drei Stunden? Kann ich später noch was arbeiten/lesen/kochen? Meistens lautet die Antwort: NEIN. Letzte Nacht habe ich ein Schlafprotokoll geführt. Zwischen 18:45 und 6:30 ist das kleine Mädchen fünf Mal (!) wach geworden. Wieder einschlafen dauerte dann zwischen einer Stunde und fünf Minuten. Mal eine Nacht durchschlafen? Seit neun Monaten und neun Tagen Fehlanzeige. Mal abends irgendwo hingehen? Dito.

Ja, ich höre euch sagen: Sie ist doch noch klein, es geht noch viel schlimmer, stell dich nicht so an. Es ist Jammern auf hohem Niveau, schon klar. Und dass wir zu Zweit sind, macht die Sache leichter. Aber: da sind ja auch noch die zwei anderen Süssen, da ist der Job, da ist die Wohnung, der Garten. Und halllllooooo? Wo sind eigentlich WIR? EineR von uns am Stillen oder auf dem Pezzi-Ball oder im Bett. Mit K. Dass sie so süss ist, macht vieles wieder wett. Alles eigentlich. Es ist ja nur eine Phase… #augenroll

Unsere kleine Zeiträuberin wird älter, bald läuft sie uns entgegen, wird hoffentlich auch mal mehr essen, als fünf Löffel Brei oder eine halbe Banane. Und DANN, dann kommt unsere Zeit zurück. Ich wünsche mir ja keine Wunder, ich wünsche mir für den Anfang vier Stunden! Vier Stunden, 20 bis 24 Uhr ohne Weinen, Stillen, Tragen, Hüpfen, Singen. Das wär’s. Vielleicht ja heute Abend…

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